Beleghafte Überweisungen immer noch sinnvoll oder Gebührenabzocke?

Geld von einem Konto zum anderen zu überweisen ist heutzutage innerhalb weniger Minuten erledigt. Dank Online-Banking und Telefon-Banking brauchen Sie keinen Überweisungsträger mehr auszufüllen und bei der Bank in den dafür vorgesehenen Briefkasten einwerfen.

Und dennoch gibt es die sogenannten beleghaften Überweisungen auch heute noch. Besonders ältere Menschen nutzen diese oft sogar ausschließlich für ihre Bankgeschäfte.

Wir sind der Frage nachgegangen,

  • welche Vor- und Nachteile beleghafte Überweisungen bieten,
  • was bei ihrer Nutzung zu beachten ist und
  • welche Gebühren damit verbunden sind.

Europäischer Überweisungsträger

Was bedeutet überhaupt „beleghafte Überweisung“?

Banken unterscheiden im Zahlungsverkehr zwischen beleghaften und beleglosen Überweisungen. Der Unterschied zwischen einer beleglosen und beleghaften Überweisung erklärt sich dabei bereits am Namen:

  • Beleghaften Überweisungen liegt ein Beleg in Papierform zugrunde – der ausgefüllte Überweisungsbeleg
  • Beleglosen Überweisungen liegt kein derartiger Beleg zugrunde – sie sind per Online- oder Telefon-Banking angewiesen worden.

Ist eine Überweisung beleghaft, so bedeutet das also, dass sie durch einen ausgefüllten Überweisungsbeleg bei der Bank in Auftrag gegeben worden ist. Mit Einführung des gemeinsamen europäischen Zahlungsraumes (SEPA) spricht man auch von einer beleghaften SEPA-Überweisung.

Vor- und Nachteile von beleghaften Überweisungen

Obwohl nach aktuellen Statistiken für über die Hälfte der Bankkunden die Nutzung von Online-Banking heutzutage selbstverständlich ist, werden auch beleghafte Überweisungen von vielen noch immer gerne genutzt. Sowohl beleghafte als auch beleglose Überweisungen haben auch heute noch ihre ganz eigenen Vorteile, hier ein Überblick:

VorteileNachteile
Sicher gegen Phishing- und Hacker-AngriffeAusführung der Überweisung dauert länger
Mehr Zeit, eine fehlerhafte Überweisung zu stoppenMuss persönlich in der Bank eingeworfen werden
Stets gebührenpflichtig
Umweltbelastung durch Papierverbrauch
Schreibfehler werden nicht sofort erkannt

Vor allem immer noch vorherrschende Sicherheitsbedenken gegenüber dem Online-Banking sind ein Grund, dass sich immer noch relativ viele Menschen die Zeit nehmen, einen Überweisungsbeleg auszufüllen und zur Bank zu bringen.

Besonders in Deutschland besteht eine relativ hohe Angst vor Phishing-Attacken und Hacker-Angriffen. Das liegt unter anderem daran, dass die Internetkriminalität seit Jahren weltweit stetig zunimmt. Auch wenn die Banken immer mehr Geld in moderne IT-Sicherheitssysteme investieren, bleibt das Problem des Datenklaus im Netz weiter bestehen.

Geraten dabei Bankdaten in die falschen Hände, kann es schnell zu einem erheblichen finanziellen Schaden kommen. Aus diesem Grunde greifen auch heute noch viele Menschen am liebsten auf die gute alte beleghafte Überweisung zurück.

Ein weiterer Vorteil der beleghaften Überweisung ist, dass man sich beim Ausfüllen eines handschriftlichen Überweisungsbelegs besser konzentriert, als beim Eintippen einer Überweisung am PC, Tablet oder dem Smartphone. Tippfehler bei der IBAN oder dem zu überweisenden Betrag kommen daher seltener vor. Passiert es doch einmal, können diese allerdings nicht sofort durch das System erkannt werden, wie beim Online-Banking.

Allerdings lassen sich fehlerhafte beleghafte Überweisungen besser stoppen als digital eingegebene. Ganz nach dem Motto: „In der Ruhe liegt die Kraft“ bringt die längere Bearbeitungszeit von beleghaften Überweisungen den Vorteil mit sich, dass man mehr Zeit hat, diese noch vor der Ausführung zu stoppen. Das kann nötig sein, wenn im Nachgang beispielsweise ein Fehler in der Überweisung auffällt.

Daraus ergibt sich allerdings auch einer der größten Nachteile von beleghaften Überweisungen. Sie dauern einfach länger. Vom Einwerfen bei der Bank kann es schon einmal 3 bis 4 Tage dauern, bis das Geld tatsächlich beim Empfänger angekommen ist.

Zudem bringen sie einen erhöhten Aufwand mit sich. Zuerst muss der Überweisungsträger ausgefüllt werden, anschließend müssen Sie sich auf den Weg zur Bank machen, um ihn dort in den entsprechenden Briefkasten einzuwerfen.

Noch dazu werden von den Banken heutzutage zusätzliche Gebühren für beleghafte Überweisungen erhoben. Neben dem höheren Aufwand kommt auch noch der erhöhte Papierverbrauch und die damit verbundene Umweltbelastung hinzu.

Was kosten beleghafte Überweisungen?

Einer der wohl schmerzlichsten Nachteile ist, dass beleghafte Überweisungen kosten und das nicht gerade wenig. Gerade wer häufiger Überweisungen tätigen muss, kann so schnell auf eine stattliche Summe kommen, die zusätzlich zur Kontoführungsgebühr erhoben wird. Die Kosten für beleghafte Überweisungen der größten Filialbanken in Deutschland haben wir für Sie zusammengefasst (Stand 2020):

BankGebühr
Deutsche Bank0,75€
Commerzbank2,50€
Postbank1,50€
TARGOBANK0,00€ – 3,50€
Sparkassebis zu 3,50€

Beleghafte Überweisung ausfüllen – so machen Sie es richtig

Um eine beleghafte Überweisung auszufüllen, benötigen Sie folgende Daten, die eingetragen werden müssen:

  • Name des Zahlungsempfängers
  • IBAN des Zahlungsempfängers
  • Zu überweisenden Betrag
  • Verwendungszweck

Im Prinzip wird der Name des Zahlungsempfängers für Überweisungen zwar nicht benötigt, da sich anhand der IBAN alle notwendigen Daten automatisch zuweisen lassen. Passiert Ihnen aber ein Zahlendreher bei der IBAN, ist die Angabe des Zahlungsempfängers Ihre persönliche Rückversicherung, dass das Geld nicht bei jemand Falschem landet.

Die Bank überprüft, ob die anhand der IBAN automatisch gezogenen Daten mit der Angabe des Zahlungsempfängers übereinstimmen. Ist dies nicht der Fall, wird die Überweisung in der Regel nicht ausgeführt.

Fazit zu beleghaften Überweisungen

Mit der Verbreitung des Internets und der voranschreitenden Digitalisierung gewinnt das Online-Banking immer mehr an Beliebtheit. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinkt Deutschland hier aber immer noch hinterher. Während in Norwegen beispielsweise knapp 93 % der Bankkunden Online-Banking nutzen, sind es in Deutschland gerade einmal 59 %.

Diese Statistik zeigt deutlich, wie beliebt die beleghaften Überweisungen hierzulande immer noch sind. Sie bieten gegenüber den Online-Überweisungen auch immer noch einige Vorteile. In der Zukunft werden wir uns aber immer mehr von ihnen verabschieden müssen.

Beleghafte Überweisungen werden vor allem von älteren Mitbürgern genutzt. Junge Menschen sind dem Online-Banking deutlich mehr zugewandt und schätzen dessen Vorteile. Mit der älteren Generation werden irgendwann also höchstwahrscheinlich auch die beleghaften Überweisungen aussterben.

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